Die drohende Schließung der Beueler Bezirks-Bücherei

Monetärer Typ: 
Sparvorschlag
Kategorie: 
Bildung und Soziales

Die drohende Schließung der Bezirks-Bücherei Bonn - Beuel
Die Bücherei im Zentrum des großen und stetig wachsenden Stadtbezirks Bonn-Beuel bedeutet ein Stück Lese- und Lernkultur. In Zeiten des Computers werden Kinder hier wieder zu Bücherwürmern.
Bei der Berichterstattung über die evtl. Schließung der Bezirksbücherei in Beuel-Mitte fiel uns auf, dass von Bonner Politikern darauf hingewiesen wurde, Beuel sei ja diesbezüglich gut versorgt, da die Gesamtschul-Bibliothek Beuel - Ost in Pützchen-Bechlinghven zur Verfügung stünde. Welche Augenwischerei will man uns da verkaufen ? Das ist eine listige Täuschung, und OB Nimtsch weiß das sehr genau, war er doch langjähriger Schulleiter der Gesamtschule. Die Bücherei Beuel-Ost, integriert ins Schulgebäude, ist von völlig anderem Zuschnitt und Charakter. Bei einer Besichtigung stellten wir fest, dass sie völlig auf die Gesamtschul-Schüler zugeschnitten scheint , die dort wohl eine willkommene Erweiterung ihrer Schule vorfinden, die offensichtlich zu vielerlei Aktivitäten und sogar Unterrichtstätigkeit genutzt werden kann. Ob sie auf drei Etagen auch behindertengerecht genannt werden kann, wie die Bücherei im Brückenforum? Auf jeden Fall ist die Gesamtschul-Bibliothek in Pützchen -Bechlinghoven viel zu weit vom Beueler Zentrum entfernt. Eine Stadtbezirks-Bücherei gehört in die Mitte des Stadtteils, so dass sie auch für kleinere Kinder mit ihren Eltern sowie Jugendliche und ältere Menschen gut zu erreichen ist. Das ist definitiv beim Standort Beuel -Ost, Pützchen-Bechlinghoven, nicht der Fall.
Auch das Argument, das künftige "Haus der Bildung" in Bonn, Nähe Bahnhof, sei für Beueler doch auch eine Option, muss zurückgewiesen werden. Es ist fußläufig oder per Fahrrad für Beueler Kinder und ihre Eltern, Jugendliche und ältere Menschen kaum problemlos zu erreichen : über die Kennedy-Brücke, Bertha-von-Suttner-Platz und dann quer durch die Fußgängerzone zu "ihrer" Bücherei, raten Sie, wieviele das machen werden.
Die Bezirks-Bücherei im Beueler Zentrum ist seit Jahren ein beliebter kultureller Treffpunkt für Jung und Alt. Bücher, CDs , Hörbücher, DVDs , Zeitungen, Zeitschriften etc. laden zum Stöbern und zur Ausleihe ein. Immer wieder gibt es besondere Veranstaltungen für Kinder, Workshops und Leseförderung, es gibt Partnerschaften mit verschiedenen Beueler Grundschulen. Auch in der digitalisierten Welt brauchen wir reale Orte des lebenslangen Lernens.
Um die enorme Verschuldung der Stadt Bonn abzubauen, die bekanntermaßen durch Leichtsinn und Inkompetenz herbeigeführt wurde, soll nun also an allen Ecken und Enden gespart werden. Auch der OB und die Stadtverordneten sollten wissen, dass es falsch ist, einen lange bewährten sozialen und kulturellen Treffpunkt für Kinder, Jugendliche, Familien etc. zu schließen. Ein Ort, an dem Bildung und Erziehung Hand in Hand gehen, ist eine für die Zukunft unseres Landes lebenswichtige Basis. Was macht die Stadt denn mit den leeren Räumen ? Kommerzielle Nutzung bietet sich an, vielleicht für einen Getränkemarkt. Zu einer Zeit, wo soviele Buchhandlungen aufgeben müssen, können die Stadtteilbüchereien ja dann auch gehen.
Bonner Politiker sind schnell bereit, für Prestige-Projekte sehr viel Geld auszugeben. Aber was den kleinen Leuten, den so zahlreichen Beueler Familien, vor allem den Kindern, die ja keine Lobby haben, von praktischem Nutzen ist, das scheint weniger wichtig. Die Büchereien segeln irgendwo im Windschatten und werden wohl nicht wirklich ernst genommen. Wenn gespart werden muss, geht es immer zuerst an die Stadtteil-Büchereien.
Warum versucht man nicht erst, Einsparungen z. B. durch kürzere Öffnungszeiten herbeizuführen ? Auch könnten die Preise für die Ausleihe erhöht werden. Wenig nachgefragte Zeitschriften könnten wegfallen, neue Bücher könnten u. U. gesponsert werden. Und müssen wirklich ganze Stapel von Kinderbüchern, Videos und Spielen kostenlos ausgeliehen werden ? Ein kleiner Obolus ist doch sicher drin. Bestimmt wären auch noch mehr Menschen als bisher bereit, sich ehrenamtlich in der Bezirksbücherei Beuel - Mitte , diesem unersetzlichen Kultur - und Kommunikationszentrum im Herzen von Beuel, zu engagieren. Alles wäre besser, als eine brachiale Lösung, für die es nie mehr ein Zurück gibt.

Isa und Uwe Engelbrecht

Kommentare

Die Überschrift ist ungeschickt gewählt.
pro soll wohl heißen: Die Bücherei soll nicht geschlossen werden.

Abgesehen davon, dass die hier erzielten wenigen Hunderttausend € Einsparungen in keinem Verhältnis zu den Millionenbeträgen der Hochkultur stehen, hat hier noch niemand erklärt warum Beuel unbedingt 2 Bibliotheksstandorte nötig hat, während Bad Godesberg trotz einer etwas größeren Einwohnerzahl und Fläche sowie als bedeutender Schulstandort seit jeher nur einen Bibliotheksstandort beherbergt.

Das tut weh! Wir gehen seit 13 Jahren nahezu ausschließlich nach Beuel-Ost in die Bücherei. Zuerst sind wir mit dem Kinderwagen im vorhandenen Aufzug hinauf gefahren. In Beuel-Ost gibt es ebenso Bilderbuchkino, Leseförderung, fleißige Ehrenamtlerinnen, die Bücher reparieren und einbinden, (und der Stadt Geld sparen!), Bastelangebote. Es gibt ein Leserondell und Ecken zum Sitzen und Schmökern, man trifft sich dort. So schlecht wie die Bücherei Beuel-Ost hier dargestellt wird, ist sie sicher nicht und sie wird keineswegs nur als Schulerweiterung genutzt.
Der Beueler Bürgermeister Guido Deus hat Beuel-Ost ja schon zur Schließung freigegeben.
ABER:
Von der Beueler Bücherei kann man in 19 Min die 1,9 km zum neuen Haus der Bildung laufen. Von Beuel-Ost braucht man schon 41 Minuten für die 3,3 km bis zum Brückenforum und 55 Minuten für die 4,4 km bis ins neue Haus der Bildung. Die gute Erreichbarkeit beider Büchereien beschränkt sich auf Bus und Bahn oder das Fahrrad. Wohnt man in Niederholtorf oder Birlinghoven gleicht das einer Weltreise, während Beuel Ost gut mit dem Auto angefahren werden kann.
Da zwei Kinder täglich 28 km Schulweg mit vier Stunden Aufwand bewältigen, fahren wir so gut wie nie nach Beuel, geschweige denn Bonn. Uns fehlt schlichtweg die Zeit.
Wir plädieren daher für den Erhalt aller Büchereien und den Verzicht auf Käpt’n Book. Tolles Fest, aber wichtiger ist die Nahversorgung in Büchereien.

Bibliotheken für Kinderbücher brauchen wir als Präsenzstandorte.
Ansonsten werden in Zeiten von E-Readern und Literatur-Streaming-Diensten für wenige Euro wohl zukünftig Bibliotheken gar nicht mehr oder in stark veränderter Form benötigt. Kein Grund also. den Status Quo der Bibliotheken zu erhalten. Vielmehr ist dieser Aspekt in die Planung einzuarbeiten und wird zu einer deutlichen Kostensenkung bei Schließung zahlreicher Bibliotheksstandorte führen.

#5 #5 Sie wiederholen es sehr häufig, Strecker. Aber es gibt viele Erwachsene, die keinen Ebook-Reader haben und auch keinen wollen. Es gibt noch genug Leser, die Bücher bevorzugen statt Literatur-Streaming-Dienste.

Jetzt ist es mit guter Vernetzung und viel Lärm geschafft, die Beueler Bibliothek soll geöffnet bleiben. Die Beuel-Ost-Nutzer können ihre Leserausweise zurückgeben und sich in St. Augustin anmelden. Da kann man den Bücherei-Besuch wenigstens mit einem Wocheneinkauf verbinden!

#6 #6 Diese Polemik, RuRo, ist nicht angemessen.

Wenn überall die Kosten und damit die Ausgaben gesenkt werden müssen, bin ich auch dafür, dass die Stadtbezirke Bad Godesberg, Beuel und Hardtberg jeweils eine einzige Bücherei behalten.
Über die besten Standtorte dieser Büchereien sollte man diskutieren.
Der Stadtbezirk Bonn braucht keine Stadtbezirksbücherei. Er bekommt ja die Zentral-Bücherei im Haus der Bildung.

#6.1 #6.1 Guido Deus ist der Stadtverordnete für Schwarz-/Vilich-Rheindorf/Combahnviertel und war von Anfang an für eine Schließung der Stadtteilbücherei Beuel-Ost. Beim Adventsmarkt in Schwarz-Rheindorf hingen Zettel aus: Beuel-Ost ist für uns keine Alternative!!! mit drei Ausrufezeichen und zweifach unterstrichen. Von Schwarz-Rheindorf sind es 1,7 km bis zum Brückenforum und 3,1 km bis Beuel-Ost bzw. 3,2 km bis zum Haus der Bildung. Das ist nicht zumutbar, aber die Menschen in Beuel-Ost sollen zukünftig ellenlange Wege in Kauf nehmen.

Für uns ist St. Augustin die machbarste Alternative, wenn Beuel-Ost schließt. Passend zum Angebot sollte man über eine Grundsteuer Light für die Randbezirke nachdenken.